Interview: Elisabeth C. Starzer

 

 

Sonne

 

 

 

 

 

Baumwipfel

 

 

 

 

 

herbstliches Blatt

 

 

 

 

 

Reflexion am Wasser

 

 

 

 

 

A cappella Chor "Auftakt"

 

 

 

 

 

 

 

 

Blüte

 

 

Kontakt

Woraus schöpfen Sie Kraft und Motivation für Ihre Arbeit?
Aus den Begegnungen - jedes Seminar, jedes Coaching ist wie ein eigenes Land mit seiner eigenen Bevölkerung, einer eigenen Geschichte, einer eigenen Kultur über 1, 2, oder 3 Tage. Mein Staunen über jedes dieser "Länder". Schenken und beschenkt werden - mich und meine fachlichen Qualitäten schenken, meine echte Wertschätzung für jede und jeden, der teilnimmt. Es ist wie: Alles geben - und noch mehr bekommen! Nach dem Motto: Das Gib in die Welt hinein, was du darin haben willst.

Haben Sie ein Jahresmotto?
Ja. Jedes Jahr. Für 2008 war es "Die Quellen freilegen!" - Den Dingen auf den Grund gehen, aber nicht nur um etwas zu wissen, sondern um die Kräfte und Ressourcen zum Sprudeln zu bringen. Es ist so viel da, ungenutzt und vielleicht zugedeckt. In allen Lebensbereichen… - in der Gesundheit, in der Kreativität, in der Erziehung, in den Organisationen - und in den Begegnungen mit den einzelnen Menschen.

Für 2009 war es: "Fließen lassen!" Und: Die Krise als Chance sehen.

2010 ist es: "Es gibt immer nur einen Schritt!" - Ganz hingehen, und "dort" ist wieder jede Drehung möglich!" Eigentlich ist es ein Motto aus dem Tango-Lernen, aber ich habe bemerkt, dass es für mein Gehen und Laufen durch die Tage und Wochen genau so wichtig ist.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meinen Mut zur Veränderung. Auf meine Lebensneugier. Und auf meinen wunderbaren 13-jährigen Sohn, sein anders-Sein-als-erwartet (das spricht doch für die Eltern!). Und darauf, dass ich mich immer noch an die verschiedensten Situationen anpassen kann. Auf meine 6 + 2 Sprachen. Auf die Frau, die ich manchmal im Spiegel sehe.

Eine Lebensweisheit, die Sie ihren (künftigen?) Enkeln ans Herz legen würden ...
Es ist gar nicht so schwer, zu kriegen, was du willst - aber es ist eine Lebensaufgabe, herauszufinden, was sich lohnt zu wollen!

... ein Kunstwerk, das für Sie von besonderer Bedeutung ist?
Die Catedral da Sé in Lissabon. 2 Foto-Montagen von Isabella Gerich in meinem Wohnzimmer. "La gorda" (die Dicke) von Botero auf der Plaza Caicedo in Medellín. Ein Gedicht von Jenny Holzer, das in Venedig auf eine Marmorbank im Garten der Guggenheim-Collection gemeißelt ist. Und z.B. die folgenden 5 Bilder - ich habe sie mit meinen Worten direkt aus meinem Herz nachgemalt: Joan Miró - femme assise; Gwyther Irwin - Serendipity; Giuseppe Santomaso - Vita segreta; Jackson Pollock - Moonwoman.

Was verbinden Sie mit dem Wort "lernen"?
Das Vertraute verlieren, sich bewusst ver-unsichern, ungeschickt sein wie alle Anfänger - und "überleben", "am Leben" sein!

Ihr Lieblingsbuch?
So viele! Josef Ransmayr "Der singende Berg"; Doris Dörrie "Und was machen wir jetzt?"; Michael Köhlmayr "Abendland"; Tom Robbins "Skinny Legs and All"; Siri Hustvedt "Sorrows of an American"; Nick Hornby "Slam"; Paulo Coelho "11 Minuten".

Welche Reise würden Sie gerne machen?
Auf die Azoren - schauen, wo das schöne Wetter herkommt. Oder zum Beispiel 2 kanadische Städte noch näher kennenlernen: Montréal und Vancouver BC. Mit einem 3-fach-Zeitdehner, damit genug Zeit zum Reden, genug Zeit zum Besichtigen und Entdecken, und genug Zeit zum Ausruhen ist. Oder alle Täler des Pinzgaus bis in den Talschluss hinein erwandern und vielleicht einen Kristall finden …

Oder mit ein paar Freunden rund um Spanien reisen, in verschiedenen Gruppierungen - zwischendurch Treffpunkte vereinbaren und einander erzählen, was wir erlebt haben und was die anderen sich unbedingt ansehen müssen. Dann wieder reisen und sich wieder treffen - Geschichten erzählen ("Wie ist es euch ergangen mit dem linkshändigen Kellner im "Café Colón"?). Einander Schnitzeljagden legen in kleinen Städten, hinter der Kathedrale und in Bars kleine Kuverts mit Tipps verstecken ...

Der Antisatz: Was können Sie nicht mehr hören?
"Das ist so." Mit diesem Satz stirbt der Austausch, das Gespräch, die Möglichkeit des einander Erreichens bei verschiedenen Ausgangspunkten. Mit dem Satz "Ich seh das so" bleibt eine Öffnung, entsteht die Möglichkeit, sich berühren zu lassen, dem andern zu begegnen, ohne dass man sich selbst im Stich lässt.

Was macht für Sie eine wirklich gute Arbeits- oder Geschäftsbeziehung aus?
Dass man nebenbei auch über Gott und die Welt reden kann und sich nicht langweilt. Und ein Stück geteilter Humanismus; spürbarer Abstand zur reinen Profit-Orientierung. Und eben das Bewusstsein von Subjektivität: "Ich seh das so…"

Was ist Ihre Lieblingsfrage? Eine Frage, die Sie gerne hören?
Was waren deine schönsten Momente heute?

Worüber werden Sie noch ein Buch schreiben?
Über Identität und Veränderung. Über die Arten der Einsamkeit. Vielleicht auch über ein paar der vielen kleinen unglaublichen Geschichten in meinem Leben…

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Freunde aus?
Ich glaube, ich wähle nicht bewusst. Aber wenn ich zurückschaue auf meine "Auswahl" über die Jahre, fällt mir auf, dass ich vielleicht einen "leichten Hang" zu "leicht ungewöhnlichen" Menschen habe. Wahrscheinlich ist beim näheren Hinschauen mit Freundesblick ohnehin jeder Mensch "ungewöhnlich"? Und ich glaube, es sind Menschen, die mit meinem vielen Unterwegssein umgehen können.

Gibt es für Sie Modelle und Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?
Alle Menschen, die mit 50 noch was ganz Neues und Schönes erschaffen oder entdeckt oder erfunden haben. Ich sammle gerade solche "Vorbilder": z.B. Joan Baez, Siri Hustvedt, Daniel le Bon - ich bin dankbar für jeden Hinweis auf solche Menschen!

Was möchten Sie noch lernen?
Viele Tänze richtig gut tanzen, mit allen möglichen Figuren drin, so ganz leicht hingetanzt. Immer "wissen", was ich grad fühle - mich darauf verlassen, dass es "richtig" ist - und es sagen können (das heißt nicht, es sagen müssen). Noch eine siebte Sprache lernen - am besten eine slawische, oder arabisch?

Welche Entscheidungen gab es in Ihrem Leben, die wegweisend und bedeutend waren?
Mutter werden. Für alles andere fehlt mir im Moment die Übersicht. Und: Einmal in meinem Leben ziemlich bewusst die Entscheidung, vom "rechten Weg" abzukommen, etwas sehr Unvernünftiges zu tun, das keine Zukunft haben konnte. Aber vielleicht war ja alles wegweisend, jeder Blick, jeder Atemzug, jedes Gespräch, jeder Schritt. Auch das Banale, Gewohnheiten Bildende, Unauffällige, das die Jahre prägt und das Gesicht formt, mit Lachfalten und Stirnfalten.

Womit sorgen Sie für Ihre persönliche Ausgeglichenheit und Balance?
Schlafen. Erzählen. Weinen. Gute poetische spannenden Romane lesen - mich in andere Welten führen lassen - im Buch oder auf einer realen Reise. Mich von meinem Sohn in seinen täglichen "comedian"-Minuten so sehr zum Lachen bringen lassen, dass mir der Bauch wehtut. Meditieren - einfach 2 Minuten still sitzen mit meiner Teetasse in der Hand. Meine Gedanken und Erlebnisse aufschreiben. Ganz persönliche E-Mails schreiben mittendrin an einem Bürotag.

Ein persönlicher Musiktipp?
Du temps et de l'instant - alte Musik, süd-europäisch. Sanctuary - von Arvo Pärt. Melingo - Maldito Tango.

 

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