Interview: Gernot Bugram

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Woraus schöpfen Sie Kraft und Motivation für Ihre Arbeit?
Aus meinem Lachen. Aus schönen berührenden Sätzen, die ich lese oder höre. Aus der stillen Freude, wenn ein Text fertig ist und ich ihn immer noch gerne lese. Aus den sanften Frechheiten meines Sohnes. Aus der
Stille und Kraft im Tai Chi.

Haben Sie ein Jahresmotto?
Nein, nicht mehr. Manche Abschnitte meines Lebens dauern viel länger als ein Jahr, manche sind kürzer - und jeder verdient eigene Gedanken. Aber ich nutze schon die Kraft von Bildern und Visionen.

Eine Lebensweisheit, die Sie ihren Enkeln ans Herz legen würden?
"Vertrau dir."

Ein Kunstwerk, das für Sie von besonderer Bedeutung ist?
"Très rare tableau sur la terre" von Francis Picabia; Sie sehen es bei bei Guggenheim in Venedig. Man muss es sich aus größerer Entfernung ansehen - finde ich.
Und natürlich das Tanzbild von Wolfgang Weiss, das bei mir in der Wohung hängt.

Worauf legen Sie besonderen Wert im Leben? In Ihrer Arbeit?
Dass es "meines" ist. Mein Leben. Meine Arbeit. Mir zuschreibbar. Und dass ich mich wohl fühle mit dem, was ich tue und wie ich es tue.

Ihr Lieblingsbuch?
Fachlich: "Corporate Language" von Arnim Reins und "Deutsch!" von Wolf Schneider.
Literarisch: Immer noch "Lea" von Pascal Mercier.

Und Apropos, wie wäre es mit meinem Lieblingsfilm? Da gibt es auch keinen speziellen. Aber auf Monthy Python's können Sie mich immer einladen. Und "Die wunderbare Welt der Amelie" sehe ich immer wieder gern. Wie auch "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Alexis Sorbas" (In dieser Zeit so einen Film machen, Chapeau!), immer noch "Bella Martha". Aktuell: "2 Days in Paris".

Welche Reise würden Sie gerne machen?
Quer durch Europa, in große Städte und kleine Dörfer, von Austellung zu Schreibort, von Kabarett zu Musik und wieder weiter zu einem Schreibort. Alleine und mit guten Freunden.

Der Antisatz: Was können Sie nicht mehr hören?
"Gleich!"

Was macht für Sie eine wirklich gute Arbeits- oder Geschäftsbeziehung aus?
Respekt.

Was ist Ihre Lieblingsfrage?
"Warum nicht?"

Worüber werden Sie noch ein Buch schreiben?
Die kleinen Dinge mit unkontrollierbarer Wirkung. Wie aus einer ganz kleinen Entscheidung - ja, ich trinke noch einen Espresso - ein ganz anderes Leben wird.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Freunde aus?
Wähle ich? Wählt man Freunde? Sie schneien herein. Wahrscheinlich spielt Chemie im Kopf viel mehr Rolle als mir lieb ist. Aber wenn da jemand in mein Leben schneit: Willkommen!

Gibt es für Sie Modelle und Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?
Ja. Immer wieder. Immer wieder neue. Manche aber jahrelang. Aber kein universelles. Die wichtigsten Schritte in meinem Leben musste ich selbst (er)finden. Aber ich liebe die Anregung durch das Leben anderer.

Was möchten Sie noch lernen?
Wirkliche Gelassenheit, die auch pubertäre Anfechtungen stresslos übersteht.

Welche Entscheidungen gab es in Ihrem Leben, die wegweisend und bedeutend waren?
Alle, oder nur ein paar? Es gab und gibt so viele. Eines Tages Ende der 70er zum Beispiel beschloss ich, ein paar Leute kennenzulernen, die Ton-Bild-Schauen machten. Schien mir ein nettes Hobby. Ohne diese Entscheidung würden wir heute nicht miteinander sprechen.

Oder einmal saß ich in einem Beisl und beschloss, einer mir völlig unbekannten Person einen Brief zu schreiben. Nur weil ich so viel von ihr gehört hatte. Ohne diesen Brief wäre ich heute vielleicht Uni-Assistent in Berlin oder Briefträger in Norddeutschland. Aber auf jeden Fall um viele Erfahrungen und ein sehr liebes Kind ärmer.

Oder die Einladung per E-Mail zu einem Kinobesuch. Was da daraus geworden ist ...

Aber auch Augenblicke, in denen ich ich wohl im richtigen Moment das Falsche gesagt oder getan habe und statt Freude Verlust bewirkt habe. Die sind nicht angenehm, aber lehrreich.

Womit sorgen Sie für Ihre persönliche Ausgeglichenheit und Balance?
Erzählen. Lachen. Weinen. Zuhören. Laufen. Tai Chi als Kampfkunst. Mich umarmen lassen. Espresso, Buch, Sonne und viel Zeit. Musik. Badewanne. Und dann noch - nein, alles erzähle ich Ihnen wirklich nicht ;-)

Ein persönlicher Musiktipp?
Wise Guys. Alles von den fünf Kölnern. Na ja, die ersten Sachen kann man auch auslassen.

Und dann noch Compay Segundo, Ibrahim Ferrer - und die anderen alten Männer und Frauen, die mit 80 viel besser Musik machten als ich jemals raushören können werde. Und vieles vom Willi Resetarits erst als Prof. Dr. Kurt Ostbahn, jetzt im Stubnblues.

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