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Woraus
schöpfen Sie Kraft und Motivation für Ihre Arbeit?
Ich lerne sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Positionen, Verantwortungsbereichen
und Aufgaben kennen, arbeite mit ihnen zusammen und bringe mit ihnen Entwicklungen
in Gang - kleine und große. In Seminaren, in der Mediation und im Coaching
gibt es zwar gute und hilfreiche Standards, aber die direkte Arbeit mit
Menschen ist jedesmal neu, anders, herausfordernd, besonders und einzigartig
- sehr lebendig eben. Diese Vielfalt und Lebendigkeit ist für mich eine
starke Motivationsquelle.
Auch
den fachlichen und persönlichen Austausch mit zahlreichen Kollegen und
Kolleginnen im engeren Kreis und im weiteren Umfeld schätze ich als große
Bereicherung. Dabei ist die Frage nach Motivation, Antrieb und Kraft für
die Arbeit eine meiner Lieblingsfragen für Austauschgespräche! Die größte
Motivation für die Arbeit ist für mich die Arbeit selbst, das Tun. Das
klingt vielleicht ein bisschen stressig oder gar arbeitssüchtig? - Meine
Begabung zur "Muse" und zur Privatheit bewahren mich vor solchen Einseitigkeiten.
Haben
Sie sich ein Jahresmotto gegeben? Welches?
Eine "Überschrift" für dieses Jahr lautet: "Iich habe Zeit - ich habe
Kraft - ich habe Schwung". Diese Kombination ist mir ein hilfreicher Leitgedanke,
auf einen guten Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit zu achten, meine
Kräfte zu pflegen und meine Aufmerksamkeit für Impulse, Schwungkräfte
und Inspirationen aus Begegnungen und Erlebnissen zu verfeinern. Eine
besondere Idee begleitet mich dabei schon seit längerem: die Reziprozität
oder Wechselseitigkeit! Zeit haben, um Zeit zu geben. Schwung aufnehmen
und Schwung weitergeben.
Worauf
sind Sie zur Zeit besonders stolz zur Zeit?
Auf meinen Sohn und meine Stieftochter, die bereits erwachsen sind und
mir in vielen Dingen unbekannte, neue Sichtweisen auf das Leben eröffnen.
Und es ist wohl weniger Stolz als vielmehr Freude und Dankbarkeit, wenn
ich auf meinen Freundeskreis schaue, auf die mir so wichtigen Menschen
um mich, deren Entwicklungen ich mitbegleiten darf und von denen ich mich
in so vielem nah begleitet fühle.
Eine
Lebensweisheit, die Sie sogar ihren (zukünftigen) Enkelkindern ans
Herz legen würden ...
Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen.
(Das ist ein Zitat von Stanislaw Lec - ich finde, man sollte es weitersagen!)
Was
schätzen Sie an der Kultur, aus der Sie kommen?
Die Berge, den Dialekt, die Sturheit mancher, die Kasnocken und die Kerschflenken
(und viele andere wunderbare Pinzgauer Spezialitäten), die Verbundenheit
der Leute mit der Landschaft (ist ja auch verständlich, weil sie
so schön ist). Und die Arbeitsmoral - auch wenn ich sie manchmal
verfluche. ...ich bin im Pinzgau aufgewachsen und bin immer wieder gerne
dort.
Ihr
persönlicher Musiktipp?
Musik hören und erleben ist ein Lebenselexier für mich. Einige meiner
unverzichtbaren Klassiker sind Laurie Anderson "Strange Angels", vieles
von Miles Davis (besonders "kind of blue" und "Star people"), Frank Zappa
"Apostrophé", vieles von Arvo Pärt (besonders "Alina"), vieles von Bach
(besonders die Kantaten für Bass), Charlie Haden und Pat Metheny "Beyond
the missouri sky", "Cantoloup Island" von Herbie Hancock. Neuentdeckungen
aus der letzten Zeit waren Lieder von John Dowland in verschiedenen Interpretationen,
Haydn's "Sieben letzte Worte", Filmmusik der griechischen Komponistin
Eleni Karaindrou (zu Filmen von Angelopoulus) und die Jazzvokalistin Cassandra
Wilson.
Was verbinden Sie mit dem Wort "lernen"?
Disziplin, Schritt für Schritt, Geduld, Ruhe und Vertiefung, Konzentration,
Neugier, Forschungsdrang und Wissensdurst, Abenteuer und Aufbruchsstimmung
zu neuen Aussichtsplätzen, im Gehirn und anderswo! Aber auch Veränderungen,
Ungewißheit, die Angst vorm "Nicht-können", "Nicht-verstehen",
Vergessen und gewohnte Standpunkte loslassen ...
Was
möchten Sie noch lernen?
Ich möchte gerne noch viel besser französisch sprechen, ich
würde gerne Snowboard fahren können, ich möchte gerne meine
Gedanken noch viel systematischer und vor allem flotter niederschreiben
können. Ich möchte gerne schneller und besser wissenschaftliche,
philosophische Texte lesen lernen. Und wenn ich aufgeregt und nervös
bin, möchte ich trotzdem klar denken und ruhig reden können.
Ihr
Lieblingsbuch?
Diese Liste könnte lang werden - ich konzentriere mich auf einige mir
besonders wichtige Bücher: Elias Canetti "Masse und Macht", Sartre "Das
Spiel ist aus", Anne Michels "Fluchtstücke", Marcus Werner "Am Hang".
AutorInnen, die ich besonders gerne lese sind Wilhelm Genazino, Wolf Haas,
Michael Köhlmeier, Marguerite Duras, Marlene Streeruwitz, Julia Franck.
Ihr
Lieblingsfilm?
"Kottan", immer wieder sehenswert! In einer Widersprüchlichkeit zwischen
Schönheit der Szenenbilder und Grausamkeit des Zwischenmenschlichen hat
mich der Hanecke-Film "Das weiße Band" fasziniert.
Worüber
werden Sie oder möchten Sie ein Buch schreiben?
Die Liste ist lang und wird länger: Über praktische Erfahrungen aus dem
Konfliktmanagement, über soziologische Beratung, über Zeitmanagement und
Kraftbalancen in einer flexibilisierten Arbeitswelt, über Freiheit, Verantwortung
und Entscheidung, über nützliche und hinderliche Verhältnisse zwischen
Profit- und Non-Profit Organisationen, über Qualitätsansprüche in Sozialen
Berufen, über die Soziologie der Emotionen und über die Rolle von Gefühlen
in Konflikten. Über Konflikt und Streit zwischen Frauen. Und in einem
neu angefangenen Buchprojekt befasse ich mich mit Freundschaft und deren
Formen, Entwicklungen, Bedeutungen als soziale Beziehungsform.
Welche
Reise würden Sie gerne machen?
Ich würde gerne ausgiebig Frankreich, Kreta und die Türkei bereisen, durchwandern
und kennen lernen. Aber im Grunde habe ich keine besonders ausgeprägten
Reiseziele, vielmehr Neugier in alle Richtungen - wenn ich erst mal unterwegs
bin, komme ich recht schnell ins Schwärmen darüber, wie schön die Welt
doch ist. Zwei Reise"bilder" trag ich mit mir rum: ich möchte gerne irgendwo
unter einer Pinie oder Tamariske sitzen und ich möchte gerne von einem
Berggipfel runterschauen.
Ihr
"Anti-Wort" - ein Satz oder Wort, das Sie nicht gern hören?
Geht das nicht schneller? ...dazu würde ich mit Günter Anders
sagen: Das Prompte ist das Barbarische.
Was
macht für Sie eine richtig gute Arbeits- oder Geschäftsbeziehung
aus?
Ebenbürtigkeit im Qualitätsanspruch, eine interessante Aufgabe,
einander ergänzende Fähigkeiten im Hinblick auf die Aufgabenstellung,
gegenseitige Neugier, Inspiration und Tatendrang. Und Sinn für Humor.
Ihre
Lieblingsspeise?
Lachsforelle mit Blattspinat und Bratkartoffeln. Schon alleine wegen der
Farben!
Womit
sorgen Sie für Ihre Ausgeglichenheit? Wie vermeiden Sie burnout?
Gespräche und Zeit mit Freunden und Freundinnen, in die Sauna gehen, Schwimmen,
Tee trinken (vor allem Darjeeling), ausgewählt Musik hören, im Sommer
abends draußen sitzen, mich mit meinem Sohn und meiner Stieftochter in
der Küche oder beim Autofahren in Gespräche verwickeln, Spaziergänge und
Wanderungen alleine oder mit Begleitung (am liebsten im Wald oder noch
besser in den Bergen), Kochen und zum Essen einladen, Singen, viel Nachdenken
und schreibend reflektieren, die Pflanzen im Haus und im Garten pflegen
und hegen, die Wohnung mit Blumen schmücken, lesen lesen lesen, ausgedehnte
Frühstückszeremonien an freien Tagen mit Zeitungslektüre. Alles in Allem:
ich suche nach Abwechslung und Kontrasten.
Nach
welchen Kriterien wählen Sie Ihre Freunde aus?
Nach der Möglichkeit, Begegnungen zu erleben. Das klingt aufs Erste recht
einfach, weil man ja meinen könnte, dass man eigentlich täglich Menschen
begegnet. Aber ... für mich leben Begegnungen in diesem Sinne von einem
geteilten Begehren nach Entwicklung und Entfaltung im Leben, von einer
Neugier am Anderen, von dem Wagnis, sich zu verändern in der Begegnung,
sich zu zeigen und oft auch sich selber neu zu entdecken im Blick des
anderen. Ein Gedanke von Montaigne über die Freundschaft gefällt mir gut:
Damit sie entsteht, bedarf es vieler günstiger Umstände und einer Schicksalskraft.

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