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Woraus
schöpfen Sie Kraft und Motivation für Ihre Arbeit?
Da ist einmal allem voran die Möglichkeit, sehr viele und unterschiedliche
Menschen mit unterschiedlichen Positionen, Verantwortungsbereichen und
Aufgaben kennenzulernen, mit ihnen zusammenzuarbeiten und Entwicklungen
- kleine und große - zu begünstigen. In Seminaren, in der Mediation
und im Coaching gibt es zwar gute und hilfreiche Standards, aber die direkte
Arbeit mit Menschen ist jedesmal neu, anders, herausfordernd, besonders
und einzigartig - sehr lebendig eben. Und das mag ich. Sehr.
Auch mein lebhafter Austausch mit zahlreichen Kollegen und Kolleginnen
im engeren Kreis und im weiteren Umfeld schätze ich als enorme Bereicherung.
Dabei ist die Frage nach Motivation, Antrieb und Kraft für die Arbeit
eine meiner Lieblingsfragen für Austauschgespräche!
Die größte Motivation für die Arbeit ist für mich
die Arbeit selbst, das Tun. Das klingt vielleicht ein bisschen stressig
oder gar arbeitssüchtig? - Meine Begabung zur "Muse" und
zur Privatheit bewahren mich vor solchen Einseitigkeiten ;-)
Haben
Sie sich ein Jahresmotto gegeben? Welches?
Eine "Überschrift" für dieses Jahr lautet: "verweilen
- vertiefen - Zwischenräume erweitern". Ich habe es als Kontrast
gesetzt zum alltäglichen Geschwindigkeitsrausch zwischen Büro,
Haushalt, Telefonate, Besprechungen, Familie, Arbeitsprojekte, Seminarfahrten
usw.usf. Im Eilen von einer Aufgabe zur anderen passiert es so leicht:
während ich das eine tu, wird das nächste schon gedacht und
vorbereitet. Dabei habe ich die Idee, dass es gar nicht um eine Verlangsamung
geht, sondern vielmehr um ein Verweilen in der Tätigkeit, die grade
angesagt ist.
Worauf
sind Sie zur Zeit besonders stolz zur Zeit?
Auf meine Kinder, die 19 und 20 Jahre alt sind und mir in vielen Dingen
unbekannte, neue Sichtweisen auf das Leben eröffnen. Stolz bin ich
auch auf meinen vielfältigen, inspirierenden Freundeskreis und auf
die kleinen, immer wieder belebenden Gespräche mit meiner Nachbarin.
Eine
Lebensweisheit, die Sie sogar ihren (zukünftigen) Enkelkindern ans
Herz legen würden ...
Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen.
(Das ist ein Zitat von Stanislaw Lec - ich finde, man sollte es weitersagen!)
Was
schätzen Sie an der Kultur, aus der Sie kommen?
Die Berge, den Dialekt, die Sturheit mancher, die Kasnocken und die Kerschflenken
(und viele andere wunderbare Pinzgauer Spezialitäten), die Verbundenheit
der Leute mit der Landschaft (ist ja auch verständlich, weil sie
so schön ist). Und die Arbeitsmoral - auch wenn ich sie manchmal
verfluche. ...ich bin im Pinzgau aufgewachsen und bin immer wieder gerne
dort.
Ihr
persönlicher Musiktipp?
Da gibt es viele : zum Beispiel Laurie Anderson " Strange Angels
", oder Thelonius Monk in Tokyo, oder Miles Davis "Kind Of Blue",
oder Frank Zappa "Apostrophé", oder Arvo Pärt "Alina"
und "Miserere", oder Bachs Matthäus Passion von Harnoncourt
eingespielt, oder Werner Pirchner "ein halbes Doppelalbum" ,
oder Charlie Haden und Pat Metheny "Beyond the missouri sky",
oder Gabriel Faures Requiem (wunderbar!) oder Górecki "Symphony
Nr.3", oder Rebekka Bakken und Wolfgang Muthspiel "Beloved",
oder die Kantaten für Bass von Bach, oder Miles Davis "Star
People", oder Dimitri Shostakovich "Violin Konzerte" uvm.
Was verbinden Sie mit dem Wort "lernen"?
Disziplin, Schritt für Schritt, Geduld, Ruhe und Vertiefung, Konzentration,
Neugier, Forschungsdrang und Wissensdurst, Abenteuer und Aufbruchsstimmung
zu neuen Aussichtsplätzen, im Gehirn und anderswo! Aber auch Veränderungen,
Ungewißheit, die Angst vorm "Nicht-können", "Nicht-verstehen",
Vergessen und gewohnte Standpunkte loslassen ...
Was
möchten Sie noch lernen?
Ich möchte gerne noch viel besser französisch sprechen, ich
würde gerne Snowboard fahren können, ich möchte gerne meine
Gedanken noch viel systematischer und vor allem flotter niederschreiben
können. Ich möchte gerne schneller und besser wissenschaftliche,
philosophische Texte lesen lernen. Und wenn ich aufgeregt und nervös
bin, möchte ich trotzdem klar denken und ruhig reden können.
Ihr
Lieblingsbuch?
Ich schätze sehr die messerscharfe Sprache von Elfriede Jelinek (Die
Liebhaberinnen), mich fasziniert Elias Canettis "Masse und Macht",
und zu meiner Lieblingsliste zählen Sartre "Das Spiel ist aus",
"Verführungen" von Marlene Streeruwitz, Philippe Djian
"Krokodile" (Kurzgeschichten), Anne Michels "Fluchtstücke" und
Marcus Werner "Am Hang".
Ihr
Lieblingsfilm?
"Kottan", immer wieder sehenswert! Sehr schön finde ich
auch "Chocolat" und "Harold und Maud".
Worüber
werden Sie noch ein Buch schreiben?
Die Liste ist lang und wird länger: Über praktische Erfahrungen aus dem
Konfliktmanagement, über soziologische Beratung, über Zeitmanagement
für Mütter und Väter, über Freiheit, Verantwortung
und Entscheidung, über nützliche und hinderliche Verhältnisse
zwischen Profit- und Non-Profit Organisationen, über Qualitätsansprüche
in Sozialen Berufen. Über die Soziologie der Emotionen und über die Rolle
von Gefühlen in Konflikten.
Welche
Reise würden Sie gerne machen?
Ich würde gerne verschiedene Gegenden in Frankreich bereisen. Aber
im Grunde habe ich keine besonders ausgeprägten Reiseziele - wenn
ich erst mal unterwegs bin, komme ich recht schnell ins Schwärmen
darüber, wie schön die Welt doch ist. Zwei Reise"bilder"
habe ich für dieses Jahr: ich möchte gerne irgendwo unter einer
Pinie sitzen und ich möchte gerne von einem Berggipfel runterschauen.
Ihr
"Anti-Wort" - ein Satz oder Wort, das Sie nicht gern hören?
Geht das nicht schneller? ...dazu würde ich mit Günter Anders
sagen: Das Prompte ist das Barbarische.
Was
macht für Sie eine richtig gute Arbeits- oder Geschäftsbeziehung
aus?
Ebenbürtigkeit im Qualitätsanspruch, eine interessante Aufgabe,
einander ergänzende Fähigkeiten im Hinblick auf die Aufgabenstellung,
gegenseitige Neugier, Inspiration und Tatendrang. Und Sinn für Humor.
Ihre
Lieblingsspeise?
Lachsforelle mit Blattspinat und Bratkartoffeln. Schon alleine wegen der
Farben!
Womit
sorgen Sie für Ihre Ausgeglichenheit? Wie vermeiden Sie burnout?
Gespräche und Zeit mit Freunden und Freundinnen, in die Sauna gehen,
schwimmen, Tee trinken (vor allem Darjeeling), ausgewählt Musik hören,
im Sommer abends draußen sitzen, mich mit meinem Sohn und meiner
Stieftochter in der Küche oder beim Autofahren in Gespräche
verwickeln, Spaziergänge und Wanderungen alleine oder mit Begleitung
(am liebsten im Wald oder noch besser in den Bergen), kochen, singen,
Gedanken und Erlebnisse niederschreiben, die Pflanzen im Haus und im Garten
pflegen und hegen, die Wohnung mit Blumen schmücken, Kurzgeschichten
lesen, ausgedehnte Frühstückszeremonien an freien Tagen mit
Zeitungslektüre.
Nach
welchen Kriterien wählen Sie Ihre Freunde aus?
Nach der Möglichkeit, Begegnungen zu erleben. Das klingt aufs Erste
recht einfach, weil man ja meinen könnte, dass man eigentlich täglich
Menschen begegnet. Aber ... für mich leben Begegnungen in diesem
Sinne von einem Begehren nach Entwicklung und Entfaltung im Leben, von
Neugier, von dem Wagnis, sich zu verändern in der Begegnung, sich
zu zeigen und oft auch sich selber neu zu entdecken im Blick des anderen.
Klingt ziemlich abenteuerlich, ... und ist es auch. Außerdem ist
mir wichtig, miteinander genug Anlässe zum Lachen zu haben.

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