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Hochschild,
Arlie Russell: |
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"Ich komme zur Tür rein, und sobald ich den Schlüssel ins Schloss stecke, steht auch schon meine große Tochter da. Klar, sie braucht jemanden, mit dem sie über ihren Tag reden kann... Die Kleine ist noch wach. Eigentliche hätte sie schon vor zwei Stunden ins Bett gemusst und das nervt mich. In der Küche türmt sich der Abwasch. Meine Tochter beschwert sich schon an der Haustür über alles, was ihr Stiefvater wieder gesagt oder getan hat, und will über ihren Job reden, und mein Mann brüllt aus dem anderen Zimmer meine Tochter an: "Tracy, ich komme nie dazu, mit deiner Mutter zu reden, weil du sie immer schon mit Beschlag belegst, ehe ich überhaupt eine Chance dazu habe!" Alle stürzen sich sofort auf mich." (S 47) So geht es einer amerikanischen Mutter und berufstätigen Frau - und sie ist mit diesen Erlebnissen nicht alleine. Die amerikanische Soziologin Arlie Russell Hochschild hat eine bahnbrechende Studie vorgelegt. Sie wollte eigentlich untersuchen, wie ein vorbildliches amerikanisches Unternehmen sein "Work-life-Balance"-Programm umsetzt, für das es eine bedeutsame Auszeichnung erhalten hatte. Alles hat darauf hin gedeutet, dass man es hier wirklich ernst meint! Überraschend aber war für die Forscherin, dass die zahlreichen attraktiven Angebote zur Verbesserung der empfindlichen Balance zwischen Firma und Daheim von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kaum genutzt wurden. Mit dieser spannenden Diskrepanz nimmt Hochschild ihre Leserinnen mit auf ihre Forschungsreise quer durch alle Hierarchiestufen des Unternehmens. Die Autorin versteht es ausgezeichnet, sensible und deutliche Portraits der Alltagswelten der Menschen zu erzählen. Man hält einen soziologischen Bestseller in der Hand und gleitet stellenweise ab in ein Krimi-feeling. Hochschild
kommt zu einem faszinierenden Schluss, der zugleich auch erschreckend
ist: der Arbeitsplatz ist für viele zum Zuhause geworden, wo man
Wertschätzung erlebt, wo man klare Aufgaben, Erfolge und ein Gefühl
der Verbundenheit im Team und mit den Kollegen hat. Es ist jemand da,
der sich um das gute Klima und um gute Rahmenbedingungen kümmert.
Und wenn man heimkommt wartet für viele Eltern ein stressiger Arbeitsplatz.
Die Los Angeles Times haben es so beschrieben: "Es ist keine Freude
für Eltern nach Hause zu kommen, wenn die Familie sich aufführt
wie wütende Gewerkschaftsmitglieder". Hochschilds
Studie hinterlässt einen beängstigenden Nachgeschmack: es
bleiben tatsächlich viele Fragen offen und ungeklärt. Was
uns hierzulande noch beruhigen kann, ist der Vergleich mit Amerika -
europäische Arbeitszeitmodelle sind doch bei weitem familienfreundlicher
als die im Buch beschriebenen. (G.H.) Opladen, 2002
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