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Liessmann, Konrad Paul: |
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"Dass niemand mehr zu sagen weiß, worin Bildung oder Allgemeinbildung heute bestünden, stellt keinen subjektiven Mangel dar, sondern ist Resultat eines Denkens, das Bildung auf Ausbildung reduzieren und Wissen zu einer bilanzierbaren Kennzahl des Humankapitals degradieren muss." (S 10) Die Behauptung, dass wir in einer Informations- und damit schon fast in einer Wissensgesellschaft leben, gerät bei der Lektüre dieser Streitschrift heftig ins Wanken. Liessmann hält gleich zu Beginn seiner Ausführungen nicht hinterm Berg: wir befinden uns in einer "Desinformationsgesellschaft". Für diese These führt er sorgfältig ins Feld, was - historisch und gegenwärtig - unter Bildung in Abgrenzung zu Halbbildung und Unbildung zu verstehen ist. Mit scharfem und bisweilen zornigem Blick führt er durch vertraute Elemente des Bildungsdiskurses: das Phänomen des "Wissensarbeiters", die Ideologie des lebenslangen Lernens, den Wahn der Rangliste (Stichwort PISA), die Entwicklungen an den Hochschulen (Stichwort Bologna). Liessmann ermöglicht einen Blick hinter die Vorhänge der "Wissensgesellschaft". Und es stellt sich heraus, dass es nicht so sehr um die Idee von Bildung geht sondern um politische und ökonomische Interessen. "Unter dieser Perspektive (Entwicklung der Industrialisierung, Anm. d. A.) wird schnell klar, dass gegenwärtig nicht die Wissensgesellschaft die Industriegesellschaft ablöst, sondern umgekehrt das Wissen in einem rasanten Tempo industrialisiert wird." (S 39) und "...wäre es anders, würde man Unternehmen in Universitäten und nicht Universitäten in Unternehmen verwandeln." (S 43) Das Buch ist ein brillanter Beitrag zur aktuellen Bildungspolitik und weckt Hoffnungen, dass es im Denken von so manchen BildungsmitgestalterInnen Spuren hinterlassen wird. Aber es ist auch ein inspirierender Beitrag für alle, die sich mit Bildung im weitesten Sinne beschäftigen - und in einer "Wissensgesellschaft" sind das sehr viele. wie kommt man jedenfalls ein gutes Stück näher durch diese Lektüre. Wien, 2006.
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