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Hubert
Schleichert: |
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Kennen Sie das "Slippery-slope-Prinzip"? Slope bedeutet: Schrägung, schiefe Bahn. Und die ist manchmal rutschig. In der Argumentation bedeutet das, dass man eine These über einen strittigen Fall, so argumentiert, dass man auf einen anderen, nach allgemeiner Meinung unstrittigen, schrecklichen hinweist, und behauptet: der strittige Fall ist nur eine Vorstufe des Schrecklichen. "Wehret den Anfängen!" ist eine prägnante Kurzfassung dieses Prinzips. Das geht also so: angenommen, zwischen X und Y gibt es keine scharfen Unterschiede oder Grenzen, sondern einen allmählichen, graduellen Übergang. Wenn X getan oder erlaubt wird, so wird deshalb über kurz oder lang auch Y getan oder erlaubt werden. Was soll man dazu sagen? Man kann versuchen nachzuweisen, wie unwahrscheinlich das Abgleiten im vorliegenden Fall ist, oder welche Vorkehrungen getroffen wurden um dieses Abgleiten zu verhindern. Oder man bestreitet überhaupt die Möglichkeit, dass man automatisch von X abgleitet zu Y. Dann kommt natürlich die Frage: na, wo liegen denn dann noch Grenzen? Ganz einfach: alles hat seine Grenzen! Hubert Schleichert ist ein Wiener Philosoph und hat in seinem Buch eine faszinierende Bandbreite von Argumentationsfiguren dargestellt - geistvoll, bissig, provokant. Er zeigt mit scharfem und analytischem Blick die Schwachstellen der rhetorischen und argumentativen Tricks von Politikern, Dogmatikern und Fundamentalisten auf und reizt zu subversivem Denken. Bei den vielen Beispielen stösst man immer wieder auf "déja-vues" und wenn man das Buch weglegt, bleibt eine gewisse Vorfreude auf die nächste Diskussion...
München, 2001 (orig. 1997)
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