Seydl, Christoph: Mobbing im Spannungsverhältnis sozialer Normen. Eine dissonanztheoretische Betrachtung mit Untersuchung.

 

 

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Das Phänomen Mobbing wurde schon von vielen Seiten beleuchtet. Christoph Seydl ist es gelungen, neue Sichtweisen auf diese "fehlgeleitete Art der Konfliktbearbeitung" aufzuzeigen und die Fachdiskussion mit einem soziologischen Beitrag zu bereichern. Man findet hier einige gängige Annahmen zu Entstehung und Entwicklung von Mobbing weiter entwickelt.

Ausgehend von der Theorie der abweichenden Konfliktumleitung wird aufgezeigt, dass die Ursachen für Mobbing unter anderem in betrieblichen Rollenanforderungen und Rollenwidersprüchen begründet sind. Die Blickrichtung geht hierzu nicht - wie sonst üblich - auf die Situation der Betroffenen sondern vielmehr auf die Situation und die Beweggründe der Mobber ein: der funktionelle Nutzen steht hier im Vordergrund. Wie kann jemand "Dissonanzen" zwischen Anforderungen und Leistung abbauen? Zum Beispiel durch permanentes Diskriminieren und Schikanieren einer anderen Person mit dem "Gewinn" der eigenen subjektiven Aufwertung.

Vier verschiedene Formen des Mobbings werden aufgezeigt: die Korrumpierung, die Schikane, das Foul und die Anfeindung (vgl. S 87f.). In Frage gestellt wird auch der typische Mobbingverlauf als Phasenmodell. Nach Seydl ist der Mobbingprozess durch die strukturellen und situativen Möglichkeiten des Mobbers bestimmt: welches Risiko und welche Vorteile stehen in Aussicht? Je nachdem, wie stark die Widerstände gegen illegitime Handlungen sind, wird sich Mobbing durchsetzen. Hier wird auch sehr deutlich, wie wichtig die Verantwortung des Managements und der Führung ist, Normen und Regeln der Konfliktaustragung zu bestimmen und zu überwachen. Mit einem "Kompass für aktives Betriebsklimamanagement" werden konkrete Hinweise für die Praxis zusammengefasst.

Sehr zu empfehlen ist dieses Buch für alle, die sich theoretisch und praktisch mit dem Thema Mobbing auseinander setzen und bereits einen Überblick haben über den Forschungsstand. Das hohe theoretische Niveau und der empirische Teil mit einer interkulturellen Untersuchung zur Überprüfung der Hypothesen machen diese Arbeit zu einer besonderen, einzigartigen Fundquelle, setzen aber viel "Mut zur wissenschaftlichen Lektüre" voraus. Wirklich wünschenswert wäre eine Art "Manual" für die Praxis, denn die Forschungsergebnisse dieser Untersuchung sind für Management, für Fachexperten und für Betroffene sehr wertvoll!

Johannes Kepler Universität Linz, 2007 (Trauner Verlag)

Rezension: Mag. Gertraud Hinterseer

 

 

 

 

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