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Nur
zuhören? - Oder auch verstehen?
Zuhören
- aufmerksames und wohlwollendes und "reines" Zuhören -
öffnet dem Gesprächspartner einen sehr kostbaren Raum um laut
nachzudenken, sich zu äußern, für etwas Worte zu finden,
sich in meiner Gegenwart zu "finden". Hier genügt es, dem
anderen zu zeigen, dass ich ihn/sie als erzählende Person verstehe.
Das ist fast ohne Worte des Zuhörers möglich. Es ist nicht einmal
nötig zu zeigen, dass ich seine erzählten Inhalte (sein Denken,
sein Tun) verstehe.
Die
Haltung des Zuhörers ist hier
das wichtigste - Empathie, Wohlwollen, aufmerksame Präsenz. Seine
Worte sollen nur diese Haltung deutlich machen und unterstreichen. Viele
gutgemeinte Worte (z. B. Interpretationen, Nachfragen, Ratschläge,
Kommentare, Tröstungsversuche usw.) widersprechen jedoch dieser Haltung
.
Aber
im Dialog und Austausch geht es meist auch um die Inhalte des Gesagten:
wir wollen nicht nur, dass es mit Wohlwollen "gehört" wird,
sondern auch, dass es "ankommt", dass es verstanden wird. Egal,
auf welcher Gesprächs-Ebene wir uns hauptsächlich bewegen: wir
wollen, dass "es" ankommt.
Wir
wollen, dass unsere Sach-Mitteilungen verstanden werden.
Wir wollen, dass unsere Beziehungs-Mitteilungen verstanden werden.
Wir wollen, dass unsere Selbstdarstellung verstanden wird.
Wir wollen, dass unsere Appelle verstanden werden.
Kann
man einen anderen Menschen überhaupt verstehen?
Eine berechtigte philosophische Frage.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir zur "objektiven Realität"
keinen direkten Zugang haben. Wir haben nur indirekt Zugang durch unsere
Sinne, unsere selektive Wahrnehmung, unsere Repräsentation und Interpretation
der "Realität".
Und
vor allem, wenn man bedenkt, dass Sprache nur "Konvention" ist.
Und dass das, was ein anderer in Sprache ausdrückt, nicht das ist,
was er erlebt (sondern nur eine "Übersetzung" - seine Übersetzung!).
Und dass die Landkarte nicht das Land ist...
Die
weiseste und "realistischste" Antwort auf die Frage ist also
wahrscheinlich: "Wir wissen es nicht."
Aber es gibt Annäherungen oder Entfernungen zwischen Gesprächspartnern.
Und es gibt den "Eindruck" verstanden worden zu sein.
Kann man zuhören?
Kann man sich bemühen zu verstehen?
Kann man zeigen, dass man sich bemüht zu verstehen?
Ich denke schon.
Grade
des aktiven Zuhörens - Aktivitätsgrade beim Zuhören
Ein nahestehender Mensch erzählt mir: "Ich hatte heut einen
Riesenstreit mit meinem Chef. Er hat Sch... zu mir gesagt. Ich hab nur
noch rot gesehen und sofort gekündigt - jetzt weiß ich nicht
mehr, ob das richtig war".
Nicht alles aus der folgenden Liste ist gleich brauchbar - nicht alles
erreicht die gewünschte Wirkung. Sie müßen abwägen
und wählen.
- was möchte ich hier als aktive Zuhörerin/ aktiver Zuhörer
erreichen?
- Blickkontakt;
Blickrhythmus
- Körperhaltung,
Atemrhythmus
- Mimisches
"Mitgehen"; Kopfnicken
- Mhm;
aha; ja; oh; usw.
- Sagen:
"Ich verstehe."
- Duplizieren:
"Ich versteh: Riesenkrach mit Chef, das Wort Sch.. . fällt,
du siehst rot und kündigst auf der Stelle - und jetzt weißt
du nicht mehr, ob`s richtig war".
- Paraphrasieren:
"In anderen Worten: du hast dir das nicht bieten lassen, hast
aus einem Impuls heraus gekündigt. Jetzt möchtest du wissen,
ob das richtig war".
- Reframing
(in einen anderen Bedeutungskontext stellen): "Du hast dich wie
ein freier Mensch verhalten, und jetzt hast du eine Menge Freizeit."
- Erklären/
interpretieren: "Das war ja nicht der erste Streit - wahrscheinlich
wolltest du schon längst raus - und jetzt hast du deine Chance
gesehen! Und er hat ja offensichtlich auch provoziert..."
- Zustimmung:
"Das versteh ich"; "Klar!"
- Solidarisierung:
"Genau das hab ich auch schon mal gemacht. Manchmal kann man
einfach nicht mehr anders! - War übrigens das Beste/Blödeste,
was ich je gemacht hab!"
- Verschiedene
Grade von Bewerten und Kommentieren, Mit-Urteilen oder Be-Urteilen:
"Na sowas! Würde ich auch! Ist ja schlimm! Der spinnt wohl!"
Oder:
"Au ja, das würde ich mich auch fragen - ob das wohl richtig
war??"
"Na du hast ja wirklich Mut!"
- Nachfragen
(Fragen können verschiedenste Motivationen und Untertöne
haben!):
"Wie hat das angefangen? Wann ist das passiert? Und dann? Wieso?
Wußte der das denn nicht? Und was machst du jetzt?
-
Tipps
und Ratschläge geben (mehr oder weniger zur Sache):
"Schlaf mal drüber - morgen siehst du's klarer".
Oder: "Am besten, du gehst morgen gleich zum Arbeitsamt!"
Oder:"Du kannst ihn auch klagen!"
-
Problem
lösen, helfen, Verantwortung abnehmen:
"Klar war das richtig!"
"Sowas kannst du dir nicht bieten lassen. Erstens weil ....,
und zweitens weil ...."
"Mein Bruder hat sicher einen Job für dich - ich ruf ihn
heut noch an!"
-
Tröstung:
"Mach dir mal keine Sorgen! bei deiner Qualifikation hast du
bald den nächsten Job!"
oder: "Das ist normal, dass du zweifelst! Nach der ersten Aufregung
wirst du schon klar werden".
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